„Schmerzbefreit“: Experte warnt vor Kims Truppen

Putin holt erneut Verstärkung aus Nordkorea. Geopolitik-Experte Klemens Fischer erklärt im Interview, wie die knallharte Taktik der Truppen für die Ukraine zum psychologischen Problem werden kann.
Trotz des gewonnenen Momentums der Ukraine durch Angriffe auf Kritische Infrastruktur rückt Russland weiter in kleinen Schritten im Donbass vor. „Diese Geländegewinne sind vor allem deswegen essenziell, da es sich oft um kleine Dörfer handelt, in deren Umgebung auf viele Kilometer nur Landschaft ist. So ergeben sich aus Dorferoberungen große Geländegewinne.“, sagt Fischer zur Situation an der Front. Nun warnt Selenskyj davor, dass 30 bis 50 Tausend neue nordkoreanische Soldaten an die Front kommen sollen.
„Schmerzbefreit“: Die Besonderheit der nordkoreanischen Soldaten
Die Chancen, die sich aus dieser Verstärkung ergeben, sieht Fischer vor allem in der speziellen Kriegsführung der Truppen. „Die Nordkoreaner haben sich deutlich schmerzbefreiter gezeigt. Bei der letzten Stationierung sah man, wie die Truppen wie im 1. Weltkrieg trotz des hohen Risikos frontal aus den Gräben herausgestürmt sind. An diesen neuen Gegner muss sich der ukrainische Soldat erstmal auch gewöhnen und anpassen.“, sagt der Professor der Universität zu Köln. Der Psychologische Effekt dürfe nicht unterschätzt werden.
Psychologische Kriegsführung
Die Truppen seien primär nicht für eine direkte Kriegswendung da, sondern vor allem aus symbolischen Gründen. Putin kann damit zeigen, dass er mit dem Krieg „nicht allein ist“ und Kim Jong Un bietet sich der Vorteil, dass er sich als jemand inszenieren kann der „auch Truppen verleihen kann“.
Probleme weiterer Sanktionen
Für den Experten sind die Möglichkeiten einer Reaktion der EU, Nato und Ukraine begrenzt. „Das Mittel der Sanktionen wäre nicht effektiv, da Russland und besonders Nordkorea bereits stark sanktioniert sind“. Und auch stärkere Waffenlieferungen seien schwer.
In Anbetracht von vielen weiteren Konflikten auf der Welt wie dem Irankrieg, der vor allem die USA in Schwierigkeiten gebracht hat, einem Taurus, der sehr begrenzt und komplex zu bedienen ist sowie Verbündeten der Ukraine, von denen viele an die
Grenzen von dem kommen, was sie liefern können.

Schnelles Scheitern oder Längere Frontpräsenz?
Fischer rechnet damit, dass die nordkoreanischen Soldaten 1,5 bis 2,5 Monate an der Front bleiben, wenn sie in geschlossenen Brigaden eingesetzt werden. Werden sie gemeinsam mit russischen Soldaten zusammengestellt, kann diese Zahl auf 2,5 bis 5 Monate ansteigen. „Aktuell kann man damit rechnen, dass es um die 1.000 Ausfälle pro Tag gibt, darunter zählen tote und Kampfunfähige“. Dabei spielt aber auch eine Rolle, an welcher Front sie eingesetzt werden, was zum aktuellen Zeitpunkt unbekannt ist.
2024 wurden die Nordkoreaner bis zum letzten Mann an der Front gehalten, diesmal sehe dies aber nicht so aus. „Dafür ist die Anzahl einfach zu hoch, da werden dann eher regelmäßig Truppen ausgetauscht. Dazu kommt, dass Kim Jong Un die
Kampferfahrung der Truppen im eigenen Land gebrauchen könnte.“

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