Die Coyote vs. Road Runner Sketche waren immer ein persönliches Highlight für mich, wenn ich Abends Looney-Tunes auf Super RTL geschaut habe. Jetzt hat man einen Kinofilm mit interessanter Prämisse gemacht. Aber Animation und Reallife passen im Film oft nicht zusammen. Ist das die Ausnahme? Meine Meinung dazu könnt ihr hier lesen:
Der Cast: leider blass
Wenn Coyote vs Acme in eine große Falle solcher Filme reintappt, dann ist es am ehesten die, dass es den neuen Figuren an Fleisch fehlt. Es hätte absolut schwächer sein können, aber dennoch: Kevin Avery (Will Forte) und Paige Avery (Lana Condor) sind trotz schöner Momente nicht besonders interessant. Nicht per se schlecht, aber auch nicht so, dass man sagen könnte, sie könnten ein besonderer Gegenstand der Debatte über den Film werden.
John Cena als Bösewicht ist ebenso nichts Besonderes. Seine eingebildete Figur ist hin und wieder lustig, aber ich habe mich dann am Ende doch mehr an seinem animierten Bösewichtkumpel amüsieren können. Dennoch muss man hier auch sagen, dass die Prämisse jetzt nichts Tiefgreifendes hergibt für die Acme-Figuren.
Der wichtigste Punkt für mich vorher war vermutlich die Interaktion zwischen Animation und realen Charakteren. Und ich kann zum Glück berichten: Es funktioniert. Nicht zu 100 Prozent, aber es ist gut genug. Ich konnte mich auf jeden Fall sehr schnell daran gewöhnen und auch bei schwierigeren Momenten wie Explosionen wurde ich nicht aus der Erfahrung gezogen.
Animation und Reale Menschen zusammen: Funktioniert es?
In manchen Momenten habe ich gemerkt, dass man nur in der Vorbereitung mit Puppen gearbeitet hat, wie Will Forte und Lana Condor in einem Interview beim Directors Cut Radio berichtet haben. Durch die vielen schnellen Bewegungen der Cartooncharaktere mag das an sich Sinn gemacht haben. Aber wenn es dazu kam, dass Schauspieler und Cartoonfiguren in Körperkontakt kommen und keine schnellen Bewegungen vorkommen, hätte das eventuell Sinn machen können, damit die Berührungen sich organischer anfühlen.
Das war aber auch nur so, weil ich genauer hingeschaut habe. Die Filmerfahrung wird hier also nicht durch die Animation nachhaltig beeinträchtigt. Und am Ende bin ich absolut kein Experte auf diesem Gebiet. Es geht mir lediglich darum, mein Gefühl zu beschreiben.
Dieser Look sah natürlich „moderner“ aus als in den Cartoons, aber nicht unbedingt auf die Art, wo es anfängt, seelenlos zu wirken. Das Aussehen der Figuren – vor allem des Roadrunners – hat mir sehr gefallen. Besonders bei all den Filmen heutzutage, wo die Animation nicht gut von Fans aufgenommen wird, wie zum Beispiel beim Shrek-5-Trailer, freut es mich ein Beispiel zu sehen, wo es über die 90 Minuten besser gemacht wird.
Und obwohl die Laufzeit im Vergleich zu der Trickfilmreihe eine sehr lange war, konnte er trotzdem unterhalten. Die Sketche sind so lustig wie beim ersten Mal und fühlen sich nicht verbraucht an. Das liegt vor allem daran, dass man die Absurditäten der Looney-Tunes-Figuren und Produkte von Acme in der realen Welt zu sehen bekommt. Für mich war das ein wichtiger Punkt, welcher dem Film eine einzigartige Note gegeben hat. So wirkt das auch auf Humorebene nicht einfach wie „Looney-Tunes-Folge 23 – Extended Cut“.
Auch abseits von Sketchen macht es Spaß
Der Witz der Geschichte fügt sich dabei passend in den Ernst dieser ein. Coyote vs Acme schafft ein neues Bild auf die Beziehung von Coyote und dem Roadrunner und kommt dazu noch mit einer kapitalismuskritischen Message von David gegen Goliath um die Ecke. Das Anwaltsdrama einer kleinen Kanzlei gegen einen großen Konzern, der Monopole aufgebaut hat, macht sehr Spaß. Es kommt dabei auch nie zu einem langweiligen Streiten vor Gericht, das sich in Paragrafendiskussionen verliert – die Geschichte bleibt einfach und verständlich für jeden.
Durch die Suche nach Beweisen entsteht auch ein gewisser Detektivfilm, über dessen Laufzeit man die verschiedensten Figuren von damals in überraschenden Situationen zu Gesicht bekommt. So nimmt der Film sich auch Zeit, die Cartooncharaktere in kleinen, aber feinen Momenten, über den einen Slapstick-Sketch hinaus zu erzählen. Der Film erweitert dieses Universum gut weiter und hat mehr zu bieten als einfach nur ein paar beliebte Warner-Figuren auf die große Leinwand zu klatschen und dasselbe wie immer nur über 90 Minuten zu machen. Man fühlt diesen Kampf gegen Acme mit jeder Szene mehr. Und das Duell von klein gegen Groß funktioniert auch auf doppelter Ebene, wenn man sich die Produktionsgeschichte anschaut.
„Basierend auf wahren Ereignissen“
Der Film sollte bereits 2023 in den Kinos erscheinen, dann kündigte Warner Bros. an, dass der Film doch nicht erscheinen soll. Man hat geplant, den Film als 30 Millionen Dollar Steuerabschreibung unter den Tisch zu kehren. Bedeutet: Warner wollte von den 70 Millionen Dollar Produktionskosten 30 Millionen Dollar als „geschäftlichen Verlust“ von seinen steuerpflichtigen Gewinnen abziehen, sodass weniger steuerpflichtiger Gewinn in der Bilanz steht und der Konzern dementsprechend weniger Steuern zahlen muss.
Als das an die Öffentlichkeit kam, nahm das Unternehmen unter großen Fanprotesten diese Entscheidung zurück und stellte die Rechte zum Verkauf. Diese gingen dann laut Berichten von Deadline für 50 Millionen Dollar an Ketchup Entertainment, ein kleines Independent-Studio. So spiegelt die Produktionsgeschichte die Filmgeschichte wider und gibt der ganzen Geschichte einen sehr interessanten Beigeschmack.
Fazit
Coyote vs Acme ist eine spaßige Looney-Tunes-Geschichte, die der Geschichte des hungrigen Carnivorus Vulgaris eine neue, meiner Meinung aber auch logische Perspektive bietet. Es beantwortet die Frage, die die meisten von uns vor lauter Lachen wahrscheinlich nie gestellt haben: „Wieso funktioniert dieses Acme-Werkzeug nie?“. An die, die wegen der eventuell eigenartigen Prämisse zweifeln: Die Antwort auf diese Frage ist spannender als die Frage selbst.
Es ist definitiv lohnenswert, den Film an der Kinokasse zu unterstützen. Eine erfrischende Neuauflage eines Klassikers, die den Witz des Originals nicht vergessen hat und ihn trotzdem sinnvoll erweitert. In dem sehr schwachen Genre von Live-Action-Filmen, die auf Animationsgeschichten basieren, ist es für mich einer der besten. Einzig die Figuren überzeugen nicht vollends. Aber im ganzen Potpourri an Charakteren von Coyote und Roadrunner bis hin zu Daffy Duck, Tweety oder weiteren fällt es der Geschichte nie zu sehr zur Last. Daher reicht es für mich für starke vier von fünf Sternen.
So wie man im Film Coyote dabei anfeuert, Acme das Handwerk zu legen, kann man ein kleines Filmstudio dafür supporten, dass es dieses Juwel gerettet hat, bevor es im Papierkorb verschwunden wäre. Momentan liegt der Film bei Einspielergebnissen von 86 Millionen Dollar weltweit, also gibt es da draußen definitiv noch ein paar Looney-Tunes-Fans, denen meiner Meinung nach etwas entgeht.
Bildquelle: pixabay.com/photos/arrows-barren-direction-road-1834859/











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